Das Lasern ist schmerzhafter als das Tätowieren

Artikel in der Zürichsee-Zeitung (Freitag, 28. Januar 2011)

Bettina Rümmelein, Dermatologin im Medical Center Sanitas in Kilchberg und Vizepräsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laseranwendungen

«Das Lasern ist schmerzhafter als das Tätowieren»

Lassen sich viele Tätowierte ihren Körperschmuck wieder entfernen?

Bettina Rümmelein: Sehr viele. Ich würde sagen, 50 Prozent aller Personen, die ein Tattoo tragen, wollen es wieder loswerden. Die Patienten im Spital Sanitas und im Universitätsspital zusammengerechnet, entferne ich etwa 30 Tätowierungen pro Woche.

Was sind die Gründe, weshalb man ein Tattoo wieder loswerden will?

Häufig sind es berufliche oder persönliche Probleme. Stewardessen der Swiss zum Beispiel dürfen an Handund Fussgelenken keine Tätowierungen tragen. Auch bei der Bewerbung auf eine Stelle im Verkauf könnte sich ein Tattoo nachteilig auswirken.

Was können Tattoos für persönliche Probleme generieren?

Tattoos werden oft als unseriös wahrgenommen. Oder man fühlt sich nicht mehr als derjenige, der sich das Tattoo stechen liess. Manchmal erinnert die Tätowierung an den unlieben Grund, wieso man sich dafür entschieden hatte.

Nennen Sie doch ein paar Beispiele.

Eine junge Frau erzählte mir, sie habe sich selber tätowiert als Protest gegen den neuen Freund der Mutter. Ein Mann, der eine Glatze bekam, wollte sich ein etwas freundlicheres Aussehen verleihen und liess sich Bienen und Blumen auf den Arm tätowieren. Er erkannte seinen Fehler schon beim Stechen. Ein junger Kosovare liess sich den Namen seiner Freundin eintätowieren und führte dies bei seinen Eltern als Argument für eine Heirat mit der nicht genehmen Braut an. Die Braut war es dann aber, die ihm zur Entfernung riet.

In welchem Alter sind die Leute, die Sie aufsuchen?

Über 90 Prozent sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und wollen ein frisch gestochenes Tattoo schnell wieder loswerden. Zunehmend sind auch solche darunter, die ein permanentes Make-up entfernen lassen müssen.

Wie funktioniert das?

Mit einem sogenannten Q-switched- Laser zertrümmern wir die Pigmente in der Haut. Das dauert bei einem mittelgrossen Tattoo etwa fünf Minuten.

Das klingt schmerzhaft.

Es ist wesentlich schmerzhafter als das Tätowieren, denn die Haut spürt den Hitzeimpuls, schlimmstenfalls entstehen kleine Blasen. Anschliessend wird die Haut gekühlt und dann verbunden. Danach sollte die Haut eine Weile vor der Sonne geschützt werden. Die nächste Behandlung darf in frühestens sechs Wochen erfolgen.

Es braucht mehrere Behandlungen?

Mit der Entfernung eines etwa handtellergrossen Tattoos ist man etwa ein Jahr beschäftigt – mindestens fünf Behandlungen sind notwendig.

Und dann ist es komplett weg?

Ein Schatten oder ein leichter Schmutzfleck bleibt gelegentlich bestehen. Einige Farben lassen sich ganz schlecht oder gar nicht sprengen. Um dies festzustellen, mache ich immer einen Probelaser. Man kann dadurch eine Prognose abgeben, wie viele Behandlungen nötig sein werden.

Wie viel kostet es, sich ein Tattoo entfernen zu lassen?

Pro Behandlung, die eine halbe Stunde dauert, verrechne ich etwa 400 Franken. (rau)

Permanent Make-up

Auch das Permanent Make-up (PMC) ist eine Tätowierung. In den letzte Monaten habe ich eine Reihe von Patientinnen gesehen, die von offensichtlich nicht gut ausgebildeten Pigmentierern behandelt worden waren. Das Ergebnis waren z. B. stark entstellende schiefe oder zu dicke, ungleich hohe oder zu dunkle Augenbrauen-Pigmentierungen. Auch solche „künstlerischen Freiheiten“ kann man meist sehr gut mit einem Tattoolaser entfernen. Bitte informieren Sie sich vor einer PMC Behandlung, ob ihr Pigmentierer gut ausgebildet ist.

Farbige Tattoos – eine besondere Herausforderung

Am problematischsten sind mehrfarbige Tattoos, da nicht ein klar definierter Farbpartikel mit der entsprechenden Wellenlänge getroffen werden kann sondern mehrere mit unterschiedlichen Wellenlängen. Ein mehrfarbiges Tattoo mit nur einem Laser einer spezifischen Wellenlänge zu entfernen ist daher nicht möglich. Es müssen für die unterschiedlichen Farben Laser mit verschiedenen Wellenlängen kombiniert werden.

Häufig sind bei diesen Tattoo-Entfernungen auch nach vielen Sitzungen noch die Grünanteile sichtbar. Die meisten von professionellen Tätowierern verwendeten Farben beinhalten Metallionen. Rote Tinte enthält oft Quecksilber, Kadmium oder Eisen. Schwarze Tinte besteht häufig aus Kohlenstoff oder Eisenoxid. Blaue Tinte enthält häufig Kobalt, grüne Chrom und weisse Titan. Die Entfernung dieser verschiedenen Pigmente bedingt aufgrund ihrer Grösse und Zusammensetzung, Absorptions- und Reflexionsverhalten verschiedene Lasermodalitäten.

Der Neodym YAG Laser der Firma Lutronic verfügt für die Problemfarben rot und gelb über eigene Spezialaufsätze.